Ausgabe 04/19

Rind im Bild

Liebe Mitglieder,

der schwächelnde Milchpreis und die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben zu einer deutlichen Verschlechterung der Liquidität in der Milchkuhhaltung geführt. Zunehmender politischer und wirtschaftlicher Druck durch das verabschiedete Agrarpaket, die fehlende Anerkennung der Gesellschaft für die Arbeit der Landwirtschaft und die anhaltende Milchkrise fordern ihre Opfer. Gleichzeitig wird man das Gefühl nicht los, dass Medien durch negative Stimmungsmache die Landwirte hauptverantwortlich für den Klimawandel sowie mangelnden Tierschutz machen und Landwirtschaft so zum Prügelknaben und Hauptverursacher aller Umwelt und Klima relevanten Probleme hochstilisiert wird. Es ist unerträglich, dass ein Berufsstand, der erstklassige, hochwertige, gesunde Lebensmittel erzeugt, die natürlichen Ressourcen hegt und pflegt, sich ständig beschimpfen und drangsalieren lassen muss für das, was er tut. Viele Kuhhalter werden im laufenden Jahr die Milchproduktion aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Mangel an Perspektive aufgeben. Diese Entwicklung triff t die RSH als ihr Dienstleister rund um die Besamung und Zuchtviehvermarktung direkt und beeinflusst nachhaltig unsere Arbeit.

Die Besamungszahlen der RSH eG sind zum Ende des Geschäftsjahres auf dem Niveau des Vorjahres. Für das neue Jahr erwarten wir durch die schlechten Rahmenbedingungen eher deutlichere Rückgänge. Durch die Einfu?hrung der Gesundheitszuchtwerte, die ein Meilenstein in der Rinderzucht in Richtung mehr Tierwohl sind, erhält der Rinderhalter wichtige Informationen zur Verbesserung seines betrieblichen Zuchtmanagements, der Selektion und der Anpaarungsentscheidungen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr stand die Zuchtviehvermarktung unter keinem guten Stern. Aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage, bedingt durch schwache Milchpreise in Schleswig-Holstein, konnte das Preisniveau des Vorjahres nicht gehalten werden. Die zum größten Teil auf Emotionen beruhenden Diskussionen über Tiertransporte in Drittländer, die nur juristisch aufrechterhalten werden konnten, haben im Zuchtviehexport deutliche Rückgänge verursacht, die nur teilweise durch die Erweiterung der Nutzviehvermarktung kompensiert werden konnten. Die Perspektiven für das neue Geschäftsjahr sind nicht rosig, da die Nachfrage nach Zuchtrindern sowohl im Inland aber auch international zum Teil auf Grund des schwachen Milchpreises und der Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen in der Tendenz eher rückläufig sind.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Schau „Neumünster am Abend“ wird am 23. Januar 2020 wieder in den Holstenhallen stattfinden. Neumünster am Abend stand und steht für Solidarität und Zusammenhalt innerhalb der Schleswig-Holsteinischen Rinderzüchter und Rinderhalter und ist ein Event, das nach außen viel Beachtung findet.

Auch in schwierigen Zeiten sollten wir den Fokus und unsere Strategien zukunftsgerichtet umsetzen, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben und dafür sorgen, dass wir unseren Betrieben mit guten Lösungen, Grundlagen für eine wirtschaftliche Produktion geben. Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter der RSH eG werden alles daransetzen, auch zukünftig kompetenter und zuverlässiger Partner unserer Rinderhalter zu sein und sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu unterstützen, um die aktuelle Krise in der Rinderproduktion zu meistern. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien frohe und besinnliche Weihnachten und ein erfolgreiches, angenehmes neues Jahr.

Matthias Leisen
Geschäftsführer

Ausgabe online lesen auf Desktop, Tablet oder Smartphone