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Zuchtprogramm - Bullenmutterprüfung

Eine derart hohe Selektionsintensität, wie es bei der Jungrinderauswahl der Fall ist, muss auch konsequent bei den abgekalbten Färsen fortgesetzt werden. Die unterschiedlichsten Managementsysteme jedes einzelnen Betriebes geben auch den Färsen die unterschiedlichen Rahmenbedingungen für eine hohe Milchproduktion, wodurch ein direkter Vergleich der Färsen nicht möglich ist.

Daher hat die NOG entschieden, eine Bullenmütterprüfung einzurichten, in der die Färsen in einer Herde unter einheitlichen und praxisüblichen Bedingungen getestet werden und im direktem Vergleich zueinander stehen. Die Nord-Ost Genetic hat ihre Bullenmütterprüfung (BMP) am 01. April 2001 auf dem Versuchsbetrieb Karkendamm begonnen. Dieser Versuchsbetrieb ist dem Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angegliedert. Auf Karkendamm müssen die für das Zuchtprogramm der NOG selektierten Jungrinder ihre erste Laktation unter reinen Produktionsbedingungen absolvieren. Die Rinder werden dort in einem Liegeboxenlaufstall (130 Liegeplätze) mit außen liegendem Futtertisch gehalten, und mit einem automatischen Melksystem (AMS) oder besser bekannt unter dem Begriff Melkroboter gemolken, das im September 2005 durch ein 28er Melkkarussell (Außenmelker) ersetzt wurde.

Melkkarussell
Seit Septemper 2005 in Betrieb Westfalia Melkkarussell, Außenmelker
Wiegeschalen
Die installierten Wiegeschalen ermöglichen eine exakte Futteraufnahmemessung des Einzeltieres

In enger Zusammenarbeit mit der NOG übernimmt die CAU Kiel während der Prüfung (180 Laktationstage) die gesamte Datenerfassung sowie die Auswertung dieser Daten in einer stationseigenen Zuchtwertschätzung. Dieses System der Zuchtwertschätzung ist eng an die Zuchtwertschätzung des VIT gekoppelt und bildet die Grundlage zur Berechnung des Leistungsindexes jeder Färse.

NOG-Bullenmütterprüfung mit neuem Stationsindex

Nach nunmehr fünf Jahren Bullenmutterprüfung und einer Vielzahl von Leistungserhebungen konnte in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel, Herrn Prof. Thaller und Mitarbeiter und der Universität Halle, Herrn Prof. Swalve die Selektion der Bullenmütter deutlich verbessert werden. Auf Empfehlung der Wissenschaft wurde daher die Selektion der Bullenmütter auf dem Vesuchsbetrieb Karkendamm der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel umgestellt.

Mit über 700 geprüften Kühen ist man in der Lage gute Zuchtwerte (ZW) für Leistung und Zellzahl zu schätzen. Weiter lassen sich auf Grund der enormen Datenmenge auch sichere Zuchtwerte für Eutergesundheit und Klauen- u. Gliedmaßengesundheit sowie für das Exterieur der Einzelkuh berechnen.

Was wird erfasst ?

Nach wie vor ist die Milchleistung ein wesentlicher Faktor und Grundlage der Zuchtwertschätzung (ZWS) in Karkendamm. Hier wird bei täglicher Milchmengemessung und wöchentlicher Inhaltsstoffbestimmung ein Höchstmaß an Datengenauigkeit erreicht.

Im Bereich der Funktionalität wurden bereits in den letzten fünf Jahren die wichtigen Merkmale erfasst und für den Bereich der Funktionalität der Bullenmütter verwendet:

  • Eutererkrankung
  • Klauen- und Kliedmaßenerkrankungen
  • Stoffwechsel
  • Fruchtbarkeit
  • Milchausfalltage

Seit Beginn der Prüfung werden alle Kühe nicht nur in den Merkmalen Milchtyp, Körper, Fundament und Euter bewertet, sondern auch linear beschrieben. Die an der Datenstruktur ermittelten Heritabilitäten sind sehr gut, so dass heute für jede Kuh ein eigener Exterieurzuchtwert inklusive aller linearen Merkmale berechnet werden kann. Die in der Bullenmütterprüfung ermittelten Zuchtwerte werden auf Basis aller dort geprüften Kühe nach den modernsten Zuchtwertschätzverfahren erstellt. Sie berücksichtigen auch Pedigreeinformationen, allerdings nur von den Tieren, die tatsächlich in Karkendamm geprüft wurden.

Was ist neu?

Zukünftig werden für die ZWS-Milchleistung nur noch die Merkmale „Eiweißmenge“ und „Eiweißgehalt“ berücksichtigt, da langfristig das Eiweiß die größte ökonomische Bedeutung haben wird. Grundlegend neu ist der Gesamtbereich der Funktionalität. Als Zielmerkmale wurden hier Eutergesundheit und Klauen- und Gliedmaßengesundheit definiert, für die sich sehr gute Zuchtwerte schätzen lassen und die Einzelmerkmale akkurat erfasst werden können. Neben den eigentlichen Erkrankungsraten im Bereich Euter und Fundament, werden hierbei zusätzliche Merkmale mit einer hohen Beziehung berücksichtigt. Aus wissenschaftlichen Arbeiten in Bezug auf die Nutzungsdauer ist bekannt, dass einzelne Exterieurmerkmale eine hohe Korrelation zur Eutergesundheit und zur Klauen- und Gliedmaßengesundheit haben. Herr Prof. Swalve und Herr Prof. Thaller haben in umfangreichen Auswertungen herausgefunden, dass neben den Erkrankungsfällen auch Merkmale der linearen Beschreibung Informationen über die Anfälligkeit der Kühe gegeüber Erkrankungen liefern.

Informationsmerkmale mit guter Beziehung zum Zielmerkmale
Ziel = Eutergesundheit

Mastitiserkrankungen
Zellzahl
Zentralband
Eutertiefe

Ziel = Klauen- u. Gliedmaßengesundheit
Klauen- u. Gliedmaßenerkrankungen
Sprunggelenk
Hinterbeinstellung

Die Mastitis, die nach wie vor einer der Hauptabgangsgründe bei Kühen ist, besitzt eine sehr gute Korrelation zur Zellzahl. Aber die Merkmale wie Zentralband und Eutertiefe liefern hier ebenfalls wertvolle zusätzliche Informationen. Klauenerkrankungen trifft man häufig bei Kühen an, die Probleme mit den Sprunggelenken und der Beinstellung haben. Daher sind diese Merkmale als zusätzliche Informationsquellen mit berücksichtigt worden. Insgesamt weisen alle diese Merkmale eine relativ gute Erblichkeit auf, wodurch die Selektion dauerhaft erfolgversprechend sein dürfte und gute Zuchtfortschritte zu erwarten sind.

Zuchtwerte für das Exterieur
In den beiden Funktionalitätszuchtwerten (Euterergesundheit, Klauen- und Gliedmaßengesundheit) spielt das Exterieur eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Eine wichtige Aufgabe war es daher, nicht nur für die Merkmalskomplexe (Milchtyp, Körper, Fundament, Euter) exakte Zuchtwerte für die geprüften Bullenmütter zu erhalten, sondern auch gut vergleichbare Zuchtwerte für alle linearen Merkmale zu bekommen. Insbesondere für die Merkmale mit hohem Bezug für die Funktionalität.
Laut Auswertung von Herrn Prof. Swalve und von Herrn Prof. Thaller sind insbesondere im Bereich Euter das Zentralband und die Eutertiefe sehr hoch korreliert zur Eutergesundheit. Gleiches gilt für die Merkmale Sprunggelenk und Hinterbeinstellung, die einen sehr hohen Bezug zur Klauen- und Gliedmaßengesundheit haben.
Die Zusammensetzung des Gesamtindexes Exterieur erfolgt analog zu der im VIT angewendeten Exterieurzuchtwertschäzung und aller relevanten Gewichtungen.
Ein Blick auf die Verteilung der Exterieurzuchtwerte aller bisher geprüften NOG-Kühe zeigt eine sehr gute Streuung. Natürlich fließen auch hier Pedigreeinformationen mit ein – aber nur von den Kühen, die die Bullenmutterprüfung in Kartkendamm absolviert haben.

Der neue Stationsindex

Der neue Stationsindex setzt sich aus den beschriebenen Teilzuchtwerten zusammen und hat momentan folgende Gewichtung:

Stationsindex = 0,40 TLE + 0,25 TEU + 0,25 TFU + 0,10 TEX

Leistungen: Eiweißmenge , Eiweißgehalt (Verhältnis= 1:9)
Euter: Mastitiserkrankungen, Zellzahl, Zentralband, Eutertiefe
Fundament: Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen
Exterieur: Sprunggelenk, Hinterbeinstellung
lineare Beschreibung: 17 Merkmale

Darüber hinaus werden nach wie vor Mindestbedingungen im phänotypischen Leistungsbereich als auch für das Exterieur unumgänglich sein. So werden auch zukünftig nur Bullenmütter qualifiziert, die mit mindestens 84 Gesamtpunkten eingestuft sind.

Ein Vergleich des alten und des neuen Stationsindexes zeigt, dass in den Funktionalitätsmerkmalen und auch im Exterieur bereits die richtigen Kühe selektiert wurden.

Zukünftig ist ein noch größerer Zuchtfortschritt, insbesondere im Bereich der Eutergesundheit und der Klauen- und Gliedmaßengesundheit zu erwarten.

Der neue Stationsindex läßt eine höhere Überlegenheit der selektierten Kühe in den beiden funktionalen Merkmalen und neben dem Milchleistungsbereich auch im Exterieur erwarten...

Da funktionelle Merkmale in Zukunft eine immer größere Rolle spielen und die Genetik nicht nur von der väterlichen sondern auch von der mütterlichen Seite stark beeinflusst wird, ist der neue Stationsindex ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die potentielle Bullenmutter der NOG verfügt über entsprechende Teilzuchtwerte in diesen wichtigen Merkmalen, die mit hoher Genauigkeit geschätzt werden können.

Ein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Thaller und seinen Mitarbeitern der CAU-Kiel, die auf Basis der sehr guten Datenerhebung im Versuchsbetrieb Karkendamm hier zukunftsweisende Teilzuchtwerte zu einem praxisorientierten Stationsindex entwickelt haben.